Vision von Jugendbischof Stephan Turnovszky

Auf der Weltjugendtagsakademie, über Palmsonntag 2017  in Rom, kamen rund  50 junge Ehren- und Hauptamtliche, zusammen mit Jugendbischof Stephan Turnovszky, zur Vision das Flair eines Weltjugendtages in eine kleinere (österreichische) Stadt zu bringen. Aus dieser Vision wurde später die Veranstaltung “Jesus in the City”, welche 2022 zum zweiten Mal stattfinden wird.

Zusammengefasst wird dies im Interview mit Jugendbischof Stephan Turnovszky:

Was macht den besonderen Spirit der Weltjugendtage aus?

Es ist vor allem eine besondere Stimmung, die Weltjugendtage spürbar machen: Immer ist eine Stadt “wie verwandelt”!

Massen junger Menschen sind friedlich miteinander unterwegs,  egal aus welchen Ländern und Verhältnissen. Dabei geschieht eine positive und erhebende Verwandlung, nicht aggressiv oder ausufernd.
Zunächst Unbekannte erleben Freude miteinander, Herzlichkeit und Vertrauen. Ich möchte einzelne Elemente herausstreichen, die mir wesentlich erscheinen:

  • Musik und Lieder verbinden dabei Menschen über Sprachbarrieren hinweg. Auf den Plätzen wird gemeinsam musiziert
  • Flaggen sind wichtige Erkennungszeichen für Gruppenzugehörigkeit, sie wecken Neugier oder Wiedersehens-Freude
  • eine starke Symbolsprache berührt die Herzen: besonders beim Kreuzweg oder der Weitergabe des WJT‐Kreuzes
  • Glaube verbindet: ich kenne den anderen vielleicht noch nicht, aber ich weiß, was bzw. wer ihm am Wichtigsten ist.
  • Glaube im großen Stil vermittelt der Jugend nonverbal: Wir sind viele! Glaube bedeutet Gemeinschaft, nicht Isolation.
  • Eine große Natürlichkeit in der gelebten Spiritualität ist sicht- und erfahrbar: sie strahlt Freude aus und ist auf besondere Weise ansteckend.

Ein Blick über den eigenen kleinen (z.B. nationalen) Tellerrand tut gut:

Am letzten Weltjugendtag 2019 in Panama nahmen 120.000 Teilnehmer aus 155 Länder aus der ganzen Welt teil.

  • Die weltkirchliche Perspektive; Die Begegnung zwischen Einheimischen und Pilgern sind stark: Beide Seiten können voneinander lernen.
  • Die Anwesenheit des Papstes – als Symbol für eine Einheit in Vielfalt. Seine Anwesenheit soll den Jugendlichen zeigen wie wichtig sie für die Kirche sind.
  • Essen wird ebenso miteinander geteilt wie manche Mühen. Insgesamt ist jeder mit seinem persönlichen Opfer involviert – und spürt dabei auch, wie schön es ist, auf andere zuzugehen und zum größeren Ganzen beizutragen.

Wie können wir mehr vom Spirit der Weltjugendtage nach Österreich holen?

Zum Zeitpunkt der Weltjugendtags-Akademie hatten wir noch keinen Ort für so eine “Verwandlung einer Stadt” im Blick. Innerhalb einiger Wochen hatte sich jedoch in einer Dynamik von bestärkenden Begegnungen und Fügungen herauskristallisiert. Zum ersten Mal fand  „Jesus in the City“  2018 in Wiener Neustadt statt. Für das zweite Mal versammeln sich Jugendliche und junge Menschen, dieses Mal im Sommer 2022 in Klagenfurt am Wörthersee. Unser Ziel und unsere Motivation: Klagenfurt auf ähnliche Weise zu “verwandeln” – durch die vielfältige Präsenz gläubiger, junger Menschen, in Begegnung mit den Menschen der Stadt. Verwandlung ereignet sich nicht nur im äußerlichen und sichtbaren. Unsere Sehnsucht ist, dass Menschen im Herzen berührt werden und diese Welt verwandelt.

Konkrete Elemente von Jesus in the City

  • Verbindung von Wachstum in die Tiefe (Glaubensvertiefung ‐ „Jüngerschaft“) und Wachstum in die Breite (einladende „Mission“). Zur Mission gehört aktives Einladen und Verkündigung, ebenso wie der Einsatz in sozialen Projekten, bloßes Zuhören oder fürbittendes Gebet – immer verbunden mit der eigenen Bereitschaft, auch vom anderen zu lernen und gegründet in einem hörenden, betenden Herzen.
  • Eine bewusste Entscheidung für die Armen umsetzen, z.B. durch ein großes offenes Festmahl, gratis Friseur u.ä.
  • Präsenz inspirierender nationaler und internationaler Speaker
  • Von der ganzen Bandbreite junger Katholiken getragen: KJÖ (Katholische Jugend Österreich), JAKOB (Koordinierungsstelle für Jugendapostolate katholischer Orden und Bewegungen) und weiteren – alle entsprechend ihres Charismas; viele verschiedenartige Gruppen, die sich gemeinsam auf den Weg machen und als ein Leib ausrichten.
    Auch der österreichweite Charakter darf sichtbar sein, etwa durch Fahnen und Zeichen für Zugehörigkeiten in Gruppen oder zu Bundesländern. Auch Erkennungszeichen wie Lanyards, T‐Shirts, Armbänder o.ä.
  • Bischöfe sind unkompliziert dabei, wobei einer der Bischöfe explizit für die Einheit steht.
  • Leben und Erleben von Gastfreundschaft (u.a. Unterbringung)
  • Nachhaltigkeit: Flankierende Elemente im Vorfeld / Anschluss (z.B. Follow Me!, Alpha, Wallfahrten, Priestertag, Information über Jugendangebote in der bzw. aus der Region …)

Weitere Faktoren

  • Ort und Zeit: Eine kleine Schulstadt in Österreich (Kleinstadt: damit die Stadt auch wirklich verwandelt werden kann; Schulstadt, um viele junge Leute zu erreichen); entsprechend an einem Wochenende mit Zusatztagen während der Schulzeit.
  • Im Kontext der Synode 2018: Das direkte Gespräch mit Jugendlichen wird gesucht, unter breiter Beteiligung von Jugendlichen, nicht nur der gläubigen.